Patriot / Bodluv GR · Analyse 2

Zahlungen gestoppt – und wieder aufgenommen

Stand: 29. September 2026 · Markus Lysser · Lesedauer: ca. 5 Min.

Der Bund hielt Zahlungen zurück, solange Liefertermine, Zahlungsplan und Kostenfolgen nicht verbindlich geklärt waren. Später wurden die Zahlungen wieder aufgenommen. Wie viel bis dahin geflossen war, weisen die amtlichen Quellen nicht aus.


Ab Herbst 2025 leistete die Schweiz keine Zahlungen mehr für die Beschaffung des Patriot-Systems. Am 24. Juni 2026 beschloss der Bundesrat, die ausgesetzten Zahlungen wieder aufzunehmen.

Was in dieser Zeit bereits geflossen war, ist öffentlich nicht beziffert.

Was belegt ist – und was nicht

GrösseStand
Verpflichtungskredit Armeebotschaft 20221'987 Mio. CHF bewilligt
Verpflichtungskredit Armeebotschaft 2023 (Munition)300 Mio. CHF bewilligt
Projektierung, Erprobung, Beschaffungsvorbereitung25 Mio. CHF
geplante Gesamtinvestition2'312 Mio. CHF
bereits an die US-Regierung geleistete Zahlungenin den geprüften Primärquellen nicht beziffert
Zahlungsstoppab Herbst 2025
WiederaufnahmeBundesratsentscheid vom 24. Juni 2026

Ein Verpflichtungskredit ist die Ermächtigung, Verpflichtungen einzugehen — nicht ein Betrag, der bereits geflossen ist. Die bewilligten 2'312 Millionen Franken dürfen deshalb nicht als geleistete Zahlungen gelesen werden.

Was zu den geleisteten Zahlungen öffentlich bekannt ist

Für diese Analyse wurden die Projektseite des VBS, die FAQ von armasuisse zu Patriot sowie die Medienmitteilungen vom 1. April, 13. Mai und 24. Juni 2026 geprüft.

Keine dieser Quellen weist einen Betrag aus, der bis zu einem bestimmten Stichtag an die US-Regierung bezahlt worden wäre.

Dokumentiert ist der Vorgang, nicht die Summe: Das VBS hielt die Zahlungen zurück, hielt an der Sistierung fest und nahm sie später wieder auf.

Ein Detail aus der Mitteilung vom 1. April 2026 zeigt, dass vorher Mittel geflossen sein müssen: Die USA hatten demnach bereits Zahlungen, welche die Schweiz für den F-35A geleistet hatte, zugunsten der Schweizer Patriot-Beschaffung eingesetzt. Ein Betrag wird auch dafür nicht genannt.

Solange die Bundesstellen keine Zahlen veröffentlichen, lässt sich die Frage «wie viel ist bereits geflossen?» aus amtlichen Quellen nicht beantworten. Kursierende Zahlen stammen aus anderen Quellen und werden hier bewusst nicht übernommen.

Warum die Zahlungen zurückgehalten wurden

Die Begründung des VBS vom 1. April 2026 lautet, dass die Repriorisierung durch die USA «die vertraglichen Grundlagen wesentlich verändert und insbesondere Fragen zu Lieferterminen, Zahlungsplan und Kostenfolgen aufwirft».

Daraus ergaben sich drei ungeklärte Punkte:

  • die Liefertermine
  • der Zahlungsplan
  • die Kostenfolgen

Das VBS knüpfte die Wiederaufnahme an eine Bedingung: Die Zahlungen würden zurückgehalten, «bis die USA neue Liefertermine und Zahlungsmeilensteine verbindlich kommuniziert haben».

Der zeitliche Ablauf

ZeitpunktVorgang
Sommer 2025Die USA teilen die Repriorisierung der Patriot-Auslieferungen zugunsten der Ukraine mit.
Herbst 2025Die Schweiz leistet keine Zahlungen mehr für Patriot.
1. April 2026Das VBS bestätigt, dass die Zahlungen weiterhin zurückgehalten werden, und nennt die Bedingung für eine Wiederaufnahme.
13. Mai 2026Die USA legen der Schweiz Optionen zum weiteren Vorgehen vor; an der Sistierung wird festgehalten.
24. Juni 2026Der Bundesrat beschliesst die Wiederaufnahme der Zahlungen.

Warum die Zahlungen wieder aufgenommen wurden

Der Bundesrat beschloss am 24. Juni 2026, «die ausgesetzten Zahlungen für Patriot im Rahmen des Foreign Military Sales-Programms (FMS) wieder aufzunehmen».

Die Begründung nennt zwei Ziele. Erstens soll das Projekt «mit möglichst geringer Verzögerung und möglichst tiefen Mehrkosten» vorangetrieben werden.

Zweitens — und das ist der bemerkenswertere Teil — soll verhindert werden, «dass die Patriot-Beschaffung sowie weitere laufende FMS-Beschaffungsprojekte» gefährdet werden. Ausdrücklich genannt sind dabei der F-35A und Ersatzteile für die F/A-18.

Damit wird ein Zusammenhang amtlich sichtbar:

Ein Zahlungsstopp in einem Beschaffungsprojekt kann andere Projekte desselben Beschaffungssystems berühren.

Das schwächt das Druckmittel. Wer Zahlungen zurückhält, setzt damit nicht nur das strittige Geschäft aufs Spiel, sondern auch Vorhaben, die nicht strittig sind.

Das Kostenrisiko — und was es nicht ist

Die geplante Gesamtinvestition von 2'312 Millionen Franken wird gelegentlich der ursprünglichen Summe von 1'987 Millionen gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung führt in die Irre.

Die Differenz von 325 Millionen ist in den amtlichen Unterlagen vollständig erklärt:

PositionBetragGrundlage
Patriot-System1'987 Mio. CHFArmeebotschaft 2022
zusätzliche Lenkwaffen PAC-3 MSE300 Mio. CHFArmeebotschaft 2023
Projektierung, Erprobung, Beschaffungsvorbereitung25 Mio. CHFPEB
Gesamtinvestition2'312 Mio. CHF–

Die Erhöhung geht auf zusätzliche Munition und Vorbereitungsarbeiten zurück, nicht auf die Lieferverzögerung. Sie als Verzögerungskosten zu bezeichnen, wäre falsch.

Zu den tatsächlichen Mehrkosten der Verzögerung äussern sich die Quellen zurückhaltend. Die Projektseite spricht von einer «Konkretisierung der allfälligen Mehrkosten und Verzögerung», der Bundesratsentscheid vom Juni 2026 vom Ziel «möglichst tiefer Mehrkosten».

Eine bezifferte Summe liegt nicht vor. Das VBS soll bis Ende 2026 eine Botschaft vorlegen; erst dann dürften belastbare Zahlen verfügbar sein.

Was offenbleibt

  • wie viel bis heute tatsächlich an die US-Regierung geflossen ist
  • in welchen Tranchen und zu welchen Zeitpunkten
  • welcher Betrag durch die Umwidmung von F-35A-Zahlungen betroffen war
  • wie hoch die Mehrkosten der Verzögerung ausfallen
  • welche Liefertermine und Zahlungsmeilensteine die USA verbindlich zugesagt haben

Für ein Projekt dieser Grössenordnung ist diese Lücke bemerkenswert: Der Vorgang ist öffentlich dokumentiert, der Geldfluss nicht.

Originalquellen

  • VBS – 1. April 2026 – Patriot-Beschaffung: Zahlungen werden weiterhin zurückgehalten
    Belegt: keine Zahlungen mehr seit Herbst · Begründung im Wortlaut (Liefertermine, Zahlungsplan, Kostenfolgen) · Bedingung für die Wiederaufnahme · Umwidmung geleisteter F-35A-Zahlungen zugunsten von Patriot.
    Medienmitteilung VBS
  • VBS – 24. Juni 2026 – Bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite: VBS nimmt Verhandlungen für zweites System auf
    Belegt: Bundesratsentscheid zur Wiederaufnahme der Zahlungen im FMS-Programm · Begründung mit möglichst geringer Verzögerung und tiefen Mehrkosten · ausdrückliche Nennung von F-35A und F/A-18-Ersatzteilen.
    Medienmitteilung VBS
  • armasuisse – 13. Mai 2026 – Bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite Patriot: Schweiz prüft US-Optionen
    Belegt: Festhalten an der Sistierung der Zahlungen an die US-Regierung · Vorlage von Optionen durch die USA.
    Medienmitteilung armasuisse
  • VBS – 20. August 2026 – Projekt Bodluv GR
    Belegt: Kreditstruktur 1'987 + 300 + 25 Mio. · Formulierung «Konkretisierung der allfälligen Mehrkosten und Verzögerung» · Botschaft bis Ende 2026 · keine Angabe zu geleisteten Zahlungen.
    Projektseite Bodluv GR