UBS · Analyse 2
Was kostet diese Sicherheit?
Stand: 25. September 2026 · Markus Lysser · Lesedauer: ca. 9 Min.
16 Milliarden US-Dollar zusätzliches hartes Kernkapital: Die Zahl ist gross – aber sie bedeutet nicht, dass die UBS 16 Milliarden ausgeben oder an den Staat bezahlen muss.
Nach dem Beschluss des Ständerats schätzt die UBS, dass sie für die 90-prozentige Unterlegung ihrer ausländischen Beteiligungen rund USD 16 Mrd. zusätzliches CET1-Kapital halten müsste. Weitere rund USD 2 Mrd. sollen nach Angaben der Bank aus Änderungen auf Verordnungsstufe hinzukommen.
Die entscheidende Frage dieser Analyse lautet:
Was kostet die zusätzliche Sicherheit tatsächlich – für die UBS, ihre Kapitalgeber und möglicherweise für den Standort Schweiz?
Auf einen Blick
| Grösse | Betrag | Bedeutung |
|---|---|---|
| 90-%-Regel Ständerat | ca. USD 16 Mrd. | zusätzliches CET1 laut UBS |
| Verordnungsänderungen | ca. USD 2 Mrd. | weiteres CET1 laut UBS |
| bestehende zusätzliche Anforderungen seit CS-Übernahme | ca. USD 15 Mrd. | bereits bestehendes zusätzliches CET1 laut UBS |
| UBS-Gesamtrechnung seit CS-Übernahme | ca. USD 33 Mrd. | unterschiedliche regulatorische Anforderungen zusammen |
| jährliche Gesamtkosten laut UBS | ca. USD 2,5 Mrd. | UBS-Schätzung zu den regulatorischen Folgen der CS-Übernahme |
| Beschäftigte in der Schweiz | ca. 34’700 | rund 33 % der weltweiten UBS-Belegschaft Ende 2025 |
Die Kapital- und Kostenangaben sind Berechnungen der UBS. Die Beschäftigtenzahl ergibt sich aus 105’236 Beschäftigten weltweit, von denen Ende 2025 rund 33 Prozent in der Schweiz tätig waren.
16 Milliarden Kapital sind keine 16 Milliarden Kosten
Das ist die wichtigste Unterscheidung.
CET1 ist das qualitativ höchste regulatorische Eigenkapital einer Bank. Es dient dazu, Verluste unmittelbar aufzufangen.
Wenn die UBS zusätzlich USD 16 Mrd. CET1 halten muss, überweist sie diese 16 Milliarden nicht an den Bund.
Das Kapital bleibt in der Bank beziehungsweise dient ihrer Finanzierung.
Die Regulierung verändert aber die Finanzierungsstruktur: Ein grösserer Teil der Risiken muss mit hartem Eigenkapital statt mit anderen Finanzierungsinstrumenten unterlegt werden.
Damit entstehen wirtschaftliche Kosten.
Eigenkapitalgeber erwarten eine Rendite. Wird mehr Eigenkapital benötigt, kann dies deshalb unter anderem
- die Eigenkapitalrendite,
- Ausschüttungsmöglichkeiten,
- Kapitalallokation,
- Preise einzelner Geschäfte
- und die strategische Ausrichtung der Bank
beeinflussen.
Kapitalbedarf und Kapitalkosten sind deshalb zwei unterschiedliche Grössen.
Warum nennt die UBS 16 Milliarden – und andere Berechnungen andere Beträge?
Die verschiedenen Zahlen messen nicht dasselbe.
UBS: rund 16 Milliarden
Die UBS berechnet für die vom Ständerat beschlossene 90-Prozent-Regel rund USD 16 Mrd. zusätzliches CET1 für die UBS AG.
Dazu kommen nach ihren Angaben rund USD 2 Mrd. zusätzliches CET1 aus bereits angekündigten Änderungen auf Verordnungsstufe.
Bundesrat: vollständige Unterlegung
Der Bundesrat schlug eine 100-prozentige CET1-Unterlegung ausländischer Beteiligungen vor.
Sein Regelungspaket führt zu einer höheren regulatorischen Kapitalanforderung als die bisherige Ordnung. Der konkrete zusätzliche Kapitalbedarf hängt jedoch davon ab, wie viel Kapital die UBS zum Zeitpunkt der Einführung bereits hält und wie sie ihre Konzernstruktur und Kapitalallokation bis dahin verändert.
Damit ist entscheidend:
Regulatorische Mehranforderung und tatsächlich noch zu beschaffendes Kapital sind nicht identisch.
Die 33 Milliarden der UBS richtig einordnen
Nach dem Entscheid des Ständerats veröffentlichte die UBS eine grössere Gesamtrechnung.
Nach ihren Angaben müsste sie seit der Übernahme der Credit Suisse insgesamt rund USD 33 Mrd. zusätzliches CET1 halten.
Die UBS setzt diese Zahl folgendermassen zusammen:
| Position | UBS-Angabe |
|---|---|
| bestehende regulatorische Anforderungen infolge CS-Übernahme | ca. USD 15 Mrd. |
| 90-%-Unterlegung gemäss Ständerat | ca. USD 16 Mrd. |
| zusätzliche Verordnungsmassnahmen | ca. USD 2 Mrd. |
| Total | ca. USD 33 Mrd. |
Entscheidend für die Einordnung:
Die USD 33 Mrd. sind nicht die Kosten des Ständeratsentscheids.
Rund USD 15 Mrd. entfallen nach Darstellung der UBS bereits auf bestehende regulatorische Anforderungen infolge der Credit-Suisse-Übernahme.
Auf die neue 90-Prozent-Regel führt die UBS rund USD 16 Mrd. zusätzliches CET1 zurück.
Und woher kommen die 2,5 Milliarden jährlichen Kosten?
Die UBS beziffert die jährlichen Gesamtkosten, die sie mit den zusätzlichen regulatorischen Anforderungen infolge der Credit-Suisse-Übernahme verbindet, auf rund USD 2,5 Mrd. pro Jahr.
Auch diese Zahl muss sauber eingeordnet werden.
Sie beschreibt nach Darstellung der UBS die gesamten jährlichen Kosten der zusätzlichen regulatorischen Belastung seit der CS-Übernahme.
Sie ist nicht die von UBS ausgewiesene jährliche Kostenbelastung allein der 90-Prozent-Regel des Ständerats.
Aus der veröffentlichten UBS-Mitteilung lässt sich deshalb nicht präzise ableiten:
90 Prozent CET1 verursachen jährlich exakt X Milliarden Kosten.
Diese Differenz ist für die politische Beurteilung relevant.
Wer trägt die direkten Kosten?
Unmittelbar trifft die höhere Eigenmittelanforderung die UBS und ihre Kapitalgeber.
| Betroffene | Mögliche Wirkung |
|---|---|
| UBS | mehr gebundenes hartes Eigenkapital |
| Aktionäre | mögliche Auswirkungen auf Rendite und Ausschüttungen |
| Geschäftsbereiche | Kapital könnte anders verteilt oder Geschäft reduziert werden |
| Kunden | indirekte Preis- oder Angebotswirkungen möglich, aber umstritten |
| Schweizer Wirtschaft | mögliche Auswirkungen auf Kreditangebot, Dienstleistungen und Standortattraktivität |
| Staat / Steuerzahler | sollen von geringerem Krisenrisiko profitieren |
Damit ist die Kostenfrage breiter als die reine UBS-Bilanz.
Ein mögliches Standortrisiko für die Schweiz
Die UBS-Spitze hat die Standortfrage inzwischen selbst in die regulatorische Auseinandersetzung eingebracht.
UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher warnte öffentlich, dass die Bank ihre künftige Präsenz beziehungsweise ihren Hauptsitz in der Schweiz überdenken könnte, falls die regulatorischen Bedingungen aus Sicht der UBS zu restriktiv würden. Einen konkreten Entscheid zum Wegzug gibt es nicht.
Diese Unterscheidung ist wesentlich:
Ein möglicher Wegzug ist derzeit ein von der UBS-Führung bezeichnetes Risiko – keine beschlossene Strategie.
Die UBS erklärt gleichzeitig weiterhin, sie wolle ihr globales Geschäftsmodell erfolgreich von der Schweiz aus betreiben.
Wie bedeutend ist die UBS für den Standort Schweiz?
Ein Standortentscheid wäre wirtschaftlich relevant.
Ende 2025 beschäftigte die UBS weltweit 105’236 Personen. Rund 33 Prozent arbeiteten in der Schweiz.
Das entspricht ungefähr 34’700 Beschäftigten in der Schweiz.
Die UBS bezeichnet sich als drittgrössten privaten Arbeitgeber der Schweiz.
Hinzu kommen umfangreiche Geschäftsbeziehungen mit Schweizer Haushalten und Unternehmen. Kelleher bezifferte den gesamten Kreditbestand gegenüber Schweizer Haushalten und Unternehmen 2026 auf rund CHF 350 Mrd.; allein im Vorjahr seien Kredite von rund CHF 80 Mrd. neu vergeben oder erneuert worden. Diese Angaben stammen von der UBS.
Damit würde eine wesentliche Verlagerung des Geschäftsmodells nicht nur Aktionäre betreffen.
Sie könnte Auswirkungen auf
- Beschäftigung,
- Nachfrage nach Dienstleistungen,
- Finanzplatz,
- Unternehmenssteuern,
- Einkommensteuern der Beschäftigten
- und weitere wirtschaftliche Aktivitäten
haben.
Wie gross solche Auswirkungen bei einem hypothetischen Standortwechsel tatsächlich wären, ist heute nicht belastbar quantifizierbar.
Auch steuerlich ist die UBS bedeutend
Für 2025 weist die UBS-Gruppe einen Schweizer Steueraufwand von USD 920 Mio. aus.
Davon entfielen USD 597 Mio. auf laufende Schweizer Ertragsteuern und USD 323 Mio. auf latente Steuern.
Die UBS bezeichnet sich selbst als bedeutenden Steuerzahler. Verwaltungsratspräsident Kelleher erklärte 2025, UBS, Credit Suisse und ihre Mitarbeitenden hätten über die vorangegangenen zehn Jahre zusammen rund CHF 25 Mrd. Schweizer Steuern bezahlt, davon mehr als CHF 2 Mrd. im Jahr 2024. Diese Zahl umfasst allerdings sowohl die Unternehmen als auch deren Mitarbeitende und stammt von der UBS selbst.
Eine belastbare öffentliche Rangliste, aus der sich ableiten liesse, dass UBS beispielsweise der zweit- oder drittgrösste Steuerzahler der Schweiz ist, liegt damit nicht vor.
Sachlich belegt ist:
Die UBS ist ein sehr grosser Arbeitgeber und ein bedeutender Steuerzahler in der Schweiz.
Damit entstehen zwei unterschiedliche Risiken
Die regulatorische Entscheidung hat deshalb zwei Seiten.
| Risiko | Mögliche Folge |
|---|---|
| Kapitalanforderungen zu tief | höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine schwere UBS-Krise Staat und Volkswirtschaft belastet |
| Kapitalanforderungen sehr hoch | höhere Kosten für UBS und Kapitalgeber; mögliche Auswirkungen auf Geschäft, Investitionen und Standortentscheidungen |
Das bedeutet nicht, dass beide Risiken gleich wahrscheinlich oder gleich gross sind.
Genau diese Grössen müsste eine belastbare Kosten-Nutzen-Abwägung bestimmen.
Werden Schweizer Kunden höhere Preise bezahlen?
Die UBS und Teile der Wirtschaft warnen vor möglichen Auswirkungen höherer Kapitalanforderungen auf Finanzierungskosten und Kreditangebot.
Der Bundesrat beurteilt dieses Risiko weniger kritisch und argumentiert, die zusätzliche Eigenmittelanforderung richte sich gezielt auf ausländische Beteiligungen und solle nicht automatisch auf Schweizer Kreditkunden überwälzt werden. Die unterschiedlichen Einschätzungen sind Teil der politischen Auseinandersetzung.
Ob und in welchem Umfang die Regulierung tatsächlich
- Hypothekarzinsen,
- Unternehmenskredite,
- Kreditvolumen
- oder andere Bankdienstleistungen
beeinflusst, lässt sich vor Umsetzung nicht zuverlässig bestimmen.
Was bedeutet die Regel für die Wettbewerbsfähigkeit?
Auch hier liegen unterschiedliche Einschätzungen vor.
Der Bundesrat sieht die höheren Anforderungen als Instrument zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Schweizer Finanzsystems.
Die UBS bezeichnet die 90-Prozent-Lösung dagegen als übermässige Verschärfung und warnt vor einer Schwächung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Damit entscheidet das Parlament nicht nur über Bankensicherheit.
Es muss auch beurteilen, wie stark eine Schweizer Grossbank gegenüber internationalen Konkurrenten zusätzlich belastet werden kann, ohne dass daraus relevante Nachteile für den Standort Schweiz entstehen.
Was kosten 90 Prozent gegenüber 50 oder 100 Prozent?
Gerade diese Zahl wäre für die politische Abwägung besonders wichtig.
Diskutiert wurden:
- mindestens 50 Prozent CET1 plus AT1,
- 90 Prozent CET1,
- 100 Prozent CET1.
Für diese drei Varianten liegt jedoch keine einheitliche öffentlich verfügbare Gesamtrechnung vor, welche Sicherheitsgewinn und jährliche wirtschaftliche Kosten nach derselben Methode gegenüberstellt.
Damit können die veröffentlichten Primärquellen derzeit keine einfache Antwort liefern auf:
90 Prozent kosten jährlich X – 100 Prozent Y – und bringen dafür Z Prozent weniger Krisenrisiko.
Diese Informationslücke ist wesentlich.
Denn gerade dies wäre die eigentliche Kosten-Nutzen-Rechnung des politischen Entscheids.
Was erhält die Schweiz für die zusätzlichen Kosten?
Der Gegenwert höherer Eigenmittel ist keine zusätzliche staatliche Leistung.
Er besteht in höherer Verlusttragfähigkeit der Bank und einem geringeren Risiko für das Finanzsystem.
Nach der Credit-Suisse-Krise ist das ein konkretes öffentliches Interesse.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Was kostet mehr Eigenkapital?
Ebenso relevant ist:
Wie stark reduziert es das Risiko einer erneuten staatlichen Krisenintervention?
Und genau diese beiden Grössen sind nicht gleich präzise quantifiziert.
Kosten- und Standortbilanz
| Frage | Befund |
|---|---|
| Sind USD 16 Mrd. eine Ausgabe? | Nein, es handelt sich um zusätzlich verlangtes CET1-Kapital |
| 90-%-Regel laut UBS | ca. USD 16 Mrd. zusätzliches CET1 |
| weitere Verordnungsmassnahmen laut UBS | ca. USD 2 Mrd. |
| UBS-Gesamtrechnung seit CS-Übernahme | ca. USD 33 Mrd. zusätzliches CET1 |
| jährliche Gesamtkosten laut UBS | ca. USD 2,5 Mrd. |
| wer trägt die direkte Belastung? | UBS und ihre Kapitalgeber |
| Beschäftigung in der Schweiz | rund 34’700 Personen |
| laufende Schweizer Ertragsteuern 2025 | USD 597 Mio. laut UBS-Geschäftsbericht |
| Standortrisiko | UBS-Führung hat einen möglichen Wegzug thematisiert; kein Wegzugsentscheid |
| Nutzen der Regulierung | höhere Verlusttragfähigkeit und geringeres öffentliches Krisenrisiko |
| entscheidende Unsicherheit | Verhältnis zwischen zusätzlicher Sicherheit, wirtschaftlichen Kosten und möglichen Standortfolgen |
Die offene Frage
Die Schweiz kann das Risiko einer künftigen Grossbankenkrise durch höhere Kapitalanforderungen reduzieren. Gleichzeitig hat die Höhe dieser Anforderungen wirtschaftliche Folgen.
Für eine vollständige Abwägung müssten drei Grössen möglichst belastbar gegenübergestellt werden:
- Wie viel zusätzliche Sicherheit bringen 90 statt 50 Prozent CET1?
- Was kosten 90 beziehungsweise 100 Prozent tatsächlich?
- Ab welchem Punkt entstehen relevante Auswirkungen auf Geschäft, Beschäftigung und Standortentscheidungen der UBS?
Gerade bei der dritten Frage gibt es derzeit eine Warnung der UBS-Spitze – aber noch keine belastbare Quantifizierung und keinen beschlossenen Wegzug.
Quellen
- Eidgenössisches Finanzdepartement EFD
Too-big-to-fail-Regulierung: Botschaft und Änderungen der Eigenmittelvorschriften vom 22. April 2026. (EFD) - UBS
Stellungnahme zum Beschluss des Ständerats vom 23. September 2026. Die Angaben zu zusätzlichem CET1 und jährlichen Kosten sind Berechnungen der UBS. (UBS) - UBS Geschäftsbericht 2025
Beschäftigte, geografische Verteilung und Schweizer Steueraufwand. (Geschäftsbericht 2025 (PDF)) - UBS – Banking Stability in Switzerland
Übersichtsseite zur regulatorischen Position der UBS. (UBS) - UBS – Rede von Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher, Generalversammlung 2026
Arbeitgeberstellung, rund CHF 350 Mrd. Kreditengagement in der Schweiz, rund CHF 80 Mrd. neu gewährte oder erneuerte Kredite sowie Aussagen zum Schweizer Standort. (Rede 2026 (PDF)) - UBS – Rede von Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher, Generalversammlung 2025
Die von der UBS genannten Steuerzahlungen von UBS, Credit Suisse und deren Mitarbeitenden. (Rede 2025 (PDF)) - Reuters, 17. September 2026
UBS-Präsident Kelleher zur möglichen Überprüfung des Schweizer Hauptsitzes. (Reuters) - Reuters, 20. September 2026
CEO Sergio Ermotti warnt vor strengen Kapitalregeln; relevant für Wettbewerbsfähigkeit, Kunden, Beschäftigte und Standortdiskussion. (Reuters) - Reuters, 21. September 2026
Positionen Schweizer Wirtschaftsverbände zu möglichen Folgen für Finanzierungskosten, KMU und Wettbewerbsfähigkeit. (Reuters)