13. AHV-Rente · Analyse 2
Die Rechnung: Wie belastbar waren die Prognosen?
Stand: 3. Oktober 2026 · Markus Lysser · Lesedauer: ca. 5 Min.
Die Prognose war beziffert. Ihre Modellgrundlage war nicht fehlerfrei.
Die AHV-Prognosen hängen von Annahmen über Löhne, Beschäftigung, Demografie, Rentenanpassungen und Anlageerträge ab. Diese Grössen sind unsicher. Im Fall der 13. Rente kam hinzu, dass das BSV nach der Abstimmung zwei fehlerhafte Formeln in seinem Berechnungsprogramm entdeckte.
Prognosen für 2030
Alle Beträge sind real, aber auf unterschiedliche Preisbasen bezogen. Die Werte zeigen Prognosestände, keine tatsächlichen Jahresabschlüsse. Die Vorhersagen ohne neue Zusatzfinanzierung sind von den späteren Finanzierungsvarianten zu unterscheiden.
| Prognosestand | erwartete Einnahmen | erwartete Ausgaben | Umlageergebnis | Fondsstand |
|---|---|---|---|---|
| Herbst 2023, vor der Abstimmung; Preise 2023 | 60,576 Mrd. CHF | 64,302 Mrd. CHF | −3,726 Mrd. CHF | 76 % |
| September 2024, nach der Modellkorrektur; Preise 2024 | 60,841 Mrd. CHF | 62,770 Mrd. CHF | −1,929 Mrd. CHF | 89 % |
| Juli 2026, heutige Ordnung ohne neue MWST-Finanzierung; Preise 2025 | 61,067 Mrd. CHF | 63,715 Mrd. CHF | −2,648 Mrd. CHF | 86 % |
| Juli 2026, mit der vom Parlament beschlossenen MWST-Erhöhung ab 2028; Preise 2025 | 62,483 Mrd. CHF | 63,715 Mrd. CHF | −1,232 Mrd. CHF | 92 % |
Die Modelle unterscheiden sich in Preisbasis, Demografieannahmen, Datenstand und Rechenmodell. Die Zahlen dürfen deshalb nicht einfach als eine durchgehende, direkt vergleichbare Zeitreihe gelesen werden. Der Vergleich zeigt jedoch zweierlei: Die Korrektur nach 2024 verringerte die damals ausgewiesene Belastung. Die aktuellen Prognosen weisen trotzdem weiter negative Umlageergebnisse aus.
Die aktuelle Prognose enthält eine breite Szenariospanne
Ohne zusätzliche Finanzierung liegt das Umlageergebnis für 2030 in den BSV-Szenarien zwischen rund −1,0 und −4,3 Milliarden Franken. Im Referenzszenario beträgt es rund −2,6 Milliarden Franken. Die Szenarien bilden unterschiedliche, laut BSV plausible Entwicklungen ab. Sie sind keine voneinander unabhängigen Prüfberichte und keine Garantie, dass die tatsächliche Entwicklung innerhalb dieser Bandbreite bleibt.
Wenn die vom Parlament beschlossene Mehrwertsteuererhöhung ab 2028 in Kraft tritt, erwartet das BSV für 2030 ein Umlagedefizit von rund 1,2 Milliarden Franken. Für 2035 bleiben in der Projektion rund 3,3 Milliarden Franken Defizit; der Fonds fällt auf etwa 68 Prozent einer Jahresausgabe. Ohne die zusätzliche Mehrwertsteuer läge der Fonds 2035 bei rund 51 Prozent. Diese Rechnung setzt die Zustimmung von Volk und Ständen voraus.
Warum sich die Prognosen veränderten
Die Korrektur 2024 ging auf fehlerhafte Formeln in der Berechnung der AHV-Ausgaben zurück. Danach wurden neue Modelle entwickelt und externe Modelle von KOF-ETH und Demografik einbezogen. Die neuen Modelle stützten die aktualisierten BSV-Projektionen.
Auch nach der Korrektur ändern sich die Perspektiven jährlich. Für 2025 verwies das BSV unter anderem auf neue Demografieszenarien, höhere erwartete Erwerbstätigkeit, eine geringere Zunahme der Bevölkerung über 65 Jahre sowie nach unten korrigierte kurzfristige Wachstums- und Lohnannahmen. Die 2026er Veränderungsanalyse nennt tiefere Beschäftigung im Jahr 2025 als belastenden Faktor; revidierte Lohn- und Inflationsannahmen erhöhten vor allem die erwarteten Ausgaben.
Gegenexpertise und Sicherheitsmarge
Vor der Abstimmung lagen BSV-Prognosen und eine öffentliche parlamentarische Kommissionsunterlage zur Wirkung der Initiative bis 2050 vor. Die unabhängigen Modelle, die 2024 zur Validierung der korrigierten Ausgabenprojektionen eingesetzt wurden, entstanden erst nach der Abstimmung. Die verfügbaren Quellen belegen keine unabhängige Gegenprognose, die den später entdeckten Formelfehler vor dem 3. März 2024 erkannt und öffentlich gemacht hätte.
Der Fonds war ein Puffer, aber keine dauerhafte Finanzierungsquelle. Die damalige Projektion liess ihn ohne Gegenmassnahmen bis 2033 auf 45 Prozent einer Jahresausgabe sinken. Die heutige Prognose zeigt auch nach der beschlossenen, aber noch nicht bestätigten Mehrwertsteuererhöhung eine Unterschreitung der 100-Prozent-Marke. Die Vorsorge bestand somit im vorhandenen Fonds und in der Erwartung späterer politischer Finanzierungsmassnahmen – nicht in einer bereits beschlossenen, vollständigen Gegenfinanzierung.
Originalquellen
- BSV
Finanzielle Lage und Perspektiven der AHV, aktueller Stand und Archiv (BSV) - BSV
Finanzperspektiven gemäss geltender Ordnung, Juli 2026 (BSV) - BSV
Finanzperspektiven mit der Finanzierung der 13. Rente, Juli 2026 (BSV) - BSV
AHV-Finanzperspektiven 2026 gegenüber 2025 (BSV) - BSV
Aktualisierte Finanzperspektiven der AHV, September 2024 (BSV)